besser bier brauen


Läutern und Nachgüsse



Nachdem die Stärke beim Maischen umgewandelt wurde, geht es beim Läutern darum, den schon gelösten Malzzucker von den nicht mehr benötigten festen Maischebestandteilen (Treber) zu trennen und noch nicht gelösten Zucker mit Hilfe der Nachgüsse herauszuwaschen.

Zweck des Läuterns ist es also, die festen Bestandteile möglichst gut zurückzuhalten, während die flüssigen gut ablaufen können. Gut, aber auch nicht zu schnell, damit das heiße Nachgußwasser Zeit hat, die Zuckerstoffe aus den Trebern gut herauszulösen. Auch nicht zu langsam, damit sich neben den Zuckern nicht auch unerwünschte Stoffe aus den Spelzen lösen. Feine Schwebstoffe sollen natürlich nicht mit ablaufen.

nach oben

Es gibt zahllose Artikel und noch mehr Meinungen zu der Frage, wie der ideale Läuterbottich aussieht. Mancher Hobbybrauer investiert drei-, ja vierstellige Beträge in speziell für seine Töpfe angefertigte und mit möglichst feinen, gelaserten Schlitzen versehene Senkböden während andere leidenschaftlich darüber diskutieren, ob geschlitztes Kupferrohr, Edelstahlpanzerschläuche oder schlichte gelöcherte Plastikeimer die perfekte Lösung sind und historisch begeisterte läutern auf einem Bett aus gewaschenem Stroh.

nach oben

Maischesack-Technik

In vielen Einsteigersets wird zum Läutern anstelle eines Senkbodens ein "Maischesack" aus wie auch immer beschaffenem Textil- oder Drahtgeflecht mitgeliefert. Einige Kompaktbrauanlagen beinhalten auch vergleichbare Einsätze aus Metall. Ein solcher Einsatz soll in das heiße Nachgußwasser eingehängt werden, damit die innen befindlichen Treber intensiv ausgelaugt werden und beim Herausheben die Feststoffe zurückgehalten werden. Während dieses Prinzip bei Teebeuteln oder beim Nudelnabgießen hervorragend funktioniert, ist es zum Läutern vollkommen ungeeignet:

Meine ersten Erfahrungen mit einem solchen Filterbeutel haben mich sehr schnell einen einfachen Läuterbottich bauen lassen, der, bei aller Behelfsmäßigkeit, das Brauergebnis sofort nachhaltig verbesserte.

nach oben

Läuterhilfen

Die eigentliche Filterarbeit beim Läutern übernehmen, wie schon beschrieben, die Spelzen des gut geschroteten Getreides. Was tun, wenn die eingesetzte Schüttung keine Spelzen hat, etwa, wenn ein Bier aus 100% Weizen oder eines mit einer hohen Maiszugabe gebraut wird? Es gibt hierzu bewährte und unkonventionelle Ideen, zwei möchte ich kurz erwähnen:

Das Prinzip ist dabei jeweils das gleiche: Die fehlenden Spelzen werden durch einen ähnlich geschmacksneutralen Stoff aus Zellulose in möglichst gleicher Größe ersetzt. Der Treber bleibt locker, verklumpt nicht und die Würze läuft gut ab.

nach oben

Würzeablauf

Abflußseitig ist es wichtig, daß die klare Würze möglichst wenig mit Luftsauerstoff in Berührung kommt, da dieser vor allem bei höheren Temperaturen zu einer Verdunklung und zu geschmacklichen Beeinträchtigungen führt. Am besten wird am Abflußhahn ein Schlauch angebracht, der bis zum Boden des Auffangbehälters führt. Letzterer muß, da beim Läutern die Schwerkraft eine entscheidende Rolle spielt, unterhalb des Läuterbottichs stehen.

nach oben

Läutervorgang

Vor dem Läutern sollte den festen Maischebestandteilen etwas Zeit zum Absetzen gegeben werden. Währenddessen kann bereits das Wasser für die Nachgüsse auf 78-80 Grad erhitzt werden. Bei dieser Temperatur lösen sich die Zucker gut, unerwünschte Stoffe werden aber noch nicht ausgelaugt.

Die ersten Liter, die nach dem Öffnen des Absperrhahns recht zügig abfließen, sind meist noch recht trüb. Sie sollten noch einmal vorsichtig oben auf den Treber gegossen werden. Anschließend wird die nun immer klarer laufende Würze im Auffangbehälter gesammelt. Eine dabei immer langsamere Ablaufgeschwindigkeit ist in gewissen Grenzen normal und erwünscht. Was außerhalb von eineinhalb bis vier Stunden einschließlich Nachgüssen liegt, gibt Anlaß zur Optimierung – und zwar auch, wenn es schneller geht.

Nachgüsse

Kurz bevor die Treber trockenlaufen, also nicht mehr von Flüssigkeit bedeckt sind, wird das heiße Nachgußwasser nachgefüllt. Dies geschieht portionsweise; die Treber sollen gut bedeckt sein, aber nicht zu sehr schwimmen. In typischen Hobbybrauerbottichen ist ein bis zwei Handbreit über dem Treber ein guter Richtwert. Ebenfalls wichtig ist ein gleichmäßiges "beregnen". Wird der Treberkuchen gar zu kompakt, kann er im oberen Bereich ruhig etwas aufgelockert werden, etwa durch Einschneiden mit einem Messer.

Hat die beim Läutern entstehende Vorderwürze den angestrebten Extraktgehalt erreicht oder liegt jener unter drei Prozent (Glattwasser), werden die Nachgüsse und damit das Läutern beendet.